Montag, 9. November 2015

Prostatakrebs und Gene

Die Prostata ist eine Geschlechtsdrüse des Mannes und produziert einen Teil des Spermas. Sie liegt unterhalb der Harnblase, umkleidet den Anfangsteil der Harnröhre und gleicht beim Mann in Größe und Form einer Kastanie. Sie besteht aus mehreren Drüsen, welche ein Sekret produzieren, das bei der Ejakulation in die Harnröhre abgegeben wird, sich dort mit den Spermien vermischt und eine wichtige Funktion in der Fortpflanzung erfüllt. Leider ist die Prostata auch mit einer Reihe von teils tödlichen Erkrankungen verbunden, weshalb sie bei Männern in der Regel ab dem 45. Lebensjahr jährlich untersucht wird.

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata, ausgelöst durch die anormale Vermehrung bestimmter Zellen. Die Erkrankung ist sehr häufig und entwickelt sich in der Regel im mittleren bis höheren Lebensalter. Das Risiko, an Prostatavergrößerung zu leiden, ist von den Genen sowie dem Lebensstil abhängig und betrifft in der Altersgruppe 50 bis 59 etwa 10-20% und im Alter von 60 bis 69 Jahre etwa 25–35 %.


Im Gegensatz zum Prostatakrebs entwickeln sich bei der Prostatavergrößerung schneller Symptome. Typisch sind Nachlassen des Drucks und häufiges Wasserlassen (auch in der Nacht).
Durch die Behinderung der Blasenentleerung kann es in schlimmen Fällen sogar zur Harnsperre kommen.

Wird die Prostatavergrößerung diagnostiziert, wird sie je nach Ausmaß entweder medikamentös behandelt, oder operativ verkleinert. Die beste Option ist und bleibt jedoch die Vorsorge. Da die gutartige Vergrößerung der Prostata eng mit einem Zusammenspiel der Gene und der Lebensweise verbunden ist, kann eine Modifizierung des Lebensstils bei genetisch veranlagten Menschen das Erkrankungsrisiko stark senken.

Der Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes, an der in Deutschland knapp 3 von 100 Männern sterben. Anders als bei der Prostatavergrößerung verläuft die Erkrankung im Frühstadium meistens ohne Symptome, weshalb sie üblicherweise erst in einem späteren Stadium an Beschwerden wie Blasenentleerungsstörungen, Knochenschmerzen, Gewichtsverlust und Blutarmut erkannt wird. Wird die Diagnose erst gestellt, wenn bereits Symptome aufgetreten sind, hat häufig schon eine Metastasierung, also eine Verbreitung des Krebses, stattgefunden, vorrangig in nahe liegenden Lymphknoten oder in das Skelett. In frühen Stadien ist Prostatakrebs nahezu immer symptomlos. Hauptbeschwerden sind gleich wie bei der Hyperplasie. Durch Druckschädigung von Nerven des Kreuzbeinbereichs kann es in seltenen Fällen auch zu Errektionsstörungen kommen. Sichtbares Blut im Urin oder Ejakulat ist hingegen selten, aber umso bedeutungsvoller.

Beschwerden können im fortgeschrittenen Stadium auch hauptsächlich durch die Tumorausbreitung in andere Gewebe verursacht werden, während der ursprüngliche Tumor keine Beschwerden auslöst. Beschwerden dieser Art sind aber nicht zwingend ein Hinweis auf ein Karzinom der Prostata. Am häufigsten sind hier Schmerzen der Wirbelsäule und des Beckens.

Knochenmetastasen sind in den meisten Fällen die vorherrschende Erkrankung. Diese sind auch die häufigste, durch Prostatakrebs ausgelöste, Todesursache. Das fortgeschrittene Stadium wird auch häufig durch Blutarmut und ungewollten Gewichtsverlust begleitet.

Eine Behandlung mit Aussicht auf Heilung ist nur möglich, wenn der Krebs noch nicht metastasiert ist, daher ist die Früherkennung entscheidend für eine effektive Behandlung. Deshalb gibt es in vielen europäischen Ländern eine Routine-Vorsorgeuntersuchung, bei der Männer ab dem 45. Lebensjahr jährlich auf das Auftreten von Prostatakrebs untersucht werden. Therapeutische Optionen sind die Operation mit kompletter Entfernung der Prostata, die Strahlentherapie, die Hormontherapie und in manchen Fällen die Chemotherapie.

Wird der Krebs rechtzeitig und vor der Ausbreitung in andere Gewebe behandelt, liegt die Heilungschance bei etwa 90%. Nach der Ausbreitung liegt die 5 Jahre-Überlebensrate nur noch bei etwa 35%, weshalb die Früherkennung so entscheidend ist. Das Lebenszeit-Risiko für die Diagnose „Prostatakarzinom“ liegt bei ca. 11%. Schätzungen zufolge sterben etwa 20% der Erkrankten. Obwohl Prostatakrebs eine altersbedingte Erscheinung ist, werden schätzungsweise die Hälfte der Fälle durch Variationen in manchen Genen ausgelöst. Nun ist es möglich, diese Gene zu testen und lange vor Auftreten eines Prostatakrebses das persönliche Risiko bestimmen zu lassen. Ist das Risiko deutlich erhöht, lässt sich der Entstehung der Krankheit durch ein Vorsorgeprogramm effektiv vorbeugen. Zusätzlich lassen sich durch ein früheres und intensiveres Beobachtungsprogramm mögliche Erkrankungen frühzeitig erkennen und ggf. rechtzeitig behandeln. Schlimme und unangenehme Konsequenzen lassen sich so in den meisten Fällen verhindern.