Epigenetik ist eines der zentralen Themen der Genetik in der ersten
Dekade des 21. Jahrhunderts. Der Begriff Epigenetik umschreibt
Mechanismen und Konsequenzen vererbbarer Chromosomen-Modifikationen, die
nicht auf Veränderungen der DNA-Sequenz beruhen. Die wesentlichen
epigenetischen Modifikationen sind nachträgliche Modifikationen
bestimmter DNA-Basen (DNA-Methylierung), die Veränderungen des
Chromatins (Histon-Modifikationen) und RNAi vermittelte Mechanismen.
Die
Epigenetik bietet konzeptionell neue Ansätze für das Verständnis
genetischer Regulation von Entwicklungs- und Erkrankungs-Prozessen.
Epigenetische Modifikationen spielen in Pflanzen, im Tier und im Mensch
eine essentielle Rolle für die Steuerung von Entwicklungsprozessen.
Genome mehrzelliger Organismen sind mit zellspezifischen,
entwicklungsgesteuerten, epigenetischen Kodierungen „überzogen“. Diese
epigenetischen Kodierungen strukturieren die Chromosomen, sie steuern
die Genaktivität auf zell- und gewebespezifischer Ebene und sorgen in
weiten Teilen des Genoms dafür, dass große Genomabschnitte stumm
geschaltet bleiben. Epigenetische Kodierungen sind jedoch potentiell
reversibel und daher im Verlauf eines Lebens, entwicklungsabhängiger
aber auch umweltbedingter Variabilität ausgesetzt. Die Epigenetik bietet
daher neue Ansätze den Einfluß umweltbedingter Veränderungen auf das
Genom zu erfassen und deren langfristige Konsequenz für das Individuum
besser zu verstehen.